Erlebnis im Saalbach

Darf ich Vorfreude haben mitten in der Schonzeit auf eine neue Forellensaison? Es tauchen Erinnerungen auf an den Beginn der letzten Fangzeit. Am 18. März 2023, drei Tage nach dem Beginn der Fangsaison mustere ich mein Gerät. Die 5/6er Rute, die passende Rolle mit Schwimmschnur und dazu 16er Fluorcarbon als Vorfach für die rot-weiße Nymphe am achter Haken. Und dazu einen Eigenbau-Spirulino, gefertigt aus Federkielen, gesammelt unter dem Taubenhaus. Ich steige am Schafgarten das Ufer zum Saalbach hinunter, dort liegen große Steine, Felsblöcke und ich kann am Ufer stehen, ich werfe aus, ziehe ein, kein Biss. Nach einer halben Stunde drehe ich ab, fahre bachaufwärts zum Schlachthof. Hier kann ich in den Bach einsteigen und dann geht es fünfzig Meter bachabwärts bis zum langen Loch. Bis vor drei Jahren war es tief und ich hatte über zwei Fangsaisonen lang 30er und 40er Forellen gefangen. Dann hat die Stadt Steine in das Loch werfen lassen als Vorbeugung gegen mögliche Uferabbrüche. Die oberliegende Rauschenstrecke war vom Bagger zerwühlt. Es wäre Zeit, nachzusehen, ob es wieder Fische gibt. Das Ufer am Anfang des langen Lochs ist mit Bäumen bewachsen, die Äste ragen weit über den Bach. Hier kann man nicht werfen. Also wird der Spirulino zwischen Hauptschnur und Vorfach montiert und die Nymphe darf bachabwärts treiben. Immer schubweise, damit sie Bewegung zeigt. Jedes neue Einholen für einen halben Meter Länge bringt die Nymphe nach oben, sie steigt und das löst das Beißverhalten der Forelle aus. So spiele ich die Schnur aus, 10, 20, 30 Meter. Bei mehr als 20 Meter Entfernung kann der Fisch mich nicht sehen, auch wenn ich aufrecht stehe. Der Spirulino ist weit weg und kaum noch zu sehen und mehr als die Hälfte des Lochs bereits durch, ich hole wieder ein, ebenfalls in schubweisem Kurbeln und Schnurgeben. Zweiter Durchgang. Bei zwanzig Meter Entfernung kommt ein Ruck, Fehlbiss? Ich lasse die Nymphe wieder treiben, noch einen Ruck, weiter. Beim fünften Mal habe ich einen stetigen Zug auf der Schnur. Der Fisch ist angehakt und ich  kurbele ihn heran. Ich sehe am Winkel, den die Schnur zum Bach bildet, dass der Fisch auf der anderen Seite des Baches ist, als fünf Meter von mir die erste Flucht beginnt. Die Rollenbremse knarrt, ich lasse einfach die Hand von der Rolle. So geht es fünf, sechs Mal. Dann kommt der Augenblick , dass der Fisch auf gleicher Höhe zu mir im Bach sich befindet, aber auf der anderen Bachseite und ich kann die Bachforelle in voller Größe sehen. Sie kämpft weiter. Ich will sie in eine Stellung direkt vor mir bachaufwärts bringen, aber sie weicht aus, zieht wieder bachabwärts und die Rute biegt sich um 180 Grad nach hinten, dass ich Angst bekomme, sie könnte brechen. Was so ein dünnes Rohr aushalten kann. Also noch mal Raum geben zur letzten Flucht. Endlich weicht ihr die Kraft, sie flüchtet nicht mehr und ich kann sie in meine Nähe ziehen. Sie steht einen Meter vor mir im Bach, ich kann keschern. Der Watkescher ist fast zu klein, aber dann ist der Fisch gefangen. Nach dem Betäuben und dem Herzstich lasse ich sie im Kescher, mein Beutel ist zu klein. Ich schleppe den Fisch zur Einstiegstelle am Schlachthof und packe Rolle und Angelrute auf das Fahrrad. Ein älteres Ehepaar kommt vorbei, sieht mir zu, wie ich auf  das Fahrrad steige, in der rechten Hand den Kescher mit dem Fisch. Der Mann sagt zu seiner Frau: „Das ist eine Forelle.“ Zu Hause wird gemessen und gewogen: 52 cm lang und anderthalb Kilogramm schwer. Die Nachbarfamilie freut sich über das Filet.
Albert Keim

Sportfischerverein 1951 Bruchsal e.V.